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Aus unserem Archiv

Während der Zeit, in der das Salzmuseum Mecklenburg Bad Sülze für Besucher geschlossen ist, beschäftigen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kultur- und Heimatvereins unter anderem auch mit der Arbeit im Archiv des Museums.

Einen Text aus einem der Bücher von A. L. Koch, der auch in der heutigen Zeit noch Gültigkeit hat, möchten wir Ihnen hier präsentieren. Zunächst im Original. Nachfolgend dann in aktuellem Fonts und damit einfacher lesbar.

 

 

Aus meinem Leben.

______________

Biographische Notizen

für meine Kinder

von A. L. Koch

Teterow 1866

Druck vom Franz Kohlert

Kapitel 9 (etwa 1859)

 

Koch_Kartoffeln_1
Koch_Kartoffeln_2
Koch_Kartoffeln_3
Koch_Kartoffeln_4

Aus meinem Leben.

______________

Biographische Notizen

für meine Kinder

von A. L. Koch

Teterow 1866

Druck vom Franz Kohlert

Kapitel 9 (etwa 1859)

 

Das Auspflanzen in der Wärme gewelkter Kartoffeln.

Vor einigen Jahren brachten mehrere Zeitschriften eine Anleitung, wie die Kar-toffeln vor dem Auspflanzen zu behandeln wären, um einen früheren, besseren und reicheren Ertrag zu gewinnen. Solche allgemeine Empfehlungen sind recht gut und nützlich, aber nur zu oft bleiben sie unberücksichtigt, wenn nicht Resultate, und zwar möglichst in Zahlen ausgedrückte, ihnen angefügt sind; oder sie gehen unter durch mangelhafte Ausführung, wie durch Mißtrauens gegen das Neue. Ja es erschien später selbst eine widersprechende Nachricht, indem von preußischen Landwirthen angestellte Versuche kein Resultat ergeben haben sollten.

So entmuthigend dies auch lautete, so war hier doch der erste Versuch in solcher Art gelungen, daß eine Fortsetzung nützlich erachtet ward, doch aber forderte auch jenes Fehlschlagen zu sorgfältiger Prüfung und zur Vorsicht in der Beobachtung auf, um jede Täuschung zu vermeiden, was um so mehr nöthig war, als in den letzten Jahren sowohl die Krankheit, als die dadurch bewirkte Ausartung der Kartoffeln, welche zugleich das Verschwinden fast aller älteren und beliebten Sorten bewirkte, endlich das Außerordentliche in der Witterung,  -- störend wirkten. Denen, die sich für die Sache interessiren möchten, sollen nun hier sechsjährige Beobachtungen vorgelegt werden, und mag es dann Jedem überlassen bleiben, darauf weiter einzugehen oder nicht.

Es versteht sich zunächst, daß bei solchen Versuchen genau nach der Vorschrift verfahren werden muß. Dies ist im Allgemeinen geschehen, und wo kleine Abweichungen vorkamen, waren sie durch Zufälligkeiten veranlaßt und haben den Nutzen, zu beobachten, inwiefern sie von Einfluß auf das Resultat gewesen sein könnten. Ferner ist, um Vergleichungen anstellen zu können, so verfahren, daß auf einem und demselben Acker, gewelkte Kartoffeln aus der Stube, und frische Kartoffeln aus dem Keller in gleichen Quantitäten und zugleich, auch von gleicher Art und neben einander, ausgepflanzt wurden.

Die Vorschrift lautete dahin:

Die zum Pflanzen bestimmten Kartoffeln werden Anfangs Februar in ein geheiztes Zimmer gebracht, und in der Wärme dünne ausgebreitet. Sie liegen hier in gewöhnlicher Stubenwärme etwa 6 Wochen lang ohne gerührt zu werden. brauchen auch nicht im Dunkeln zu liegen, doch ist es besser, wenn sie nicht zu hell liegen und mindestens gegen die im Februar bisweilen schon stark durch die Fenster scheinenden Sonnenstrahlen geschützt werden. Die Kartoffeln welken hier etwas, ohne zu treiben, doch heben sich die Augen, als hätten sie Lust, hervor zu kommen. Die Kartoffeln werden nun in einer Ecke des Zimmers, oder in einer Kiste, schichtweise in feuchten Sand eingelegt, so daß zu unterst eine Zoll hohe Lage Sand, darauf eine Lage Kartoffeln eine neben der andern und nicht mehrere auf einander, dann wieder Sand und darauf eine zweite Lage Kartoffeln ausgebreitet wird. So wird fortgefahren, nur daß dies Bette nicht zu hoch, nicht über 2 Fuß hoch gemacht wird. Der Sand muß nicht wassernaß sein, sondern nur frisch aus der Grube gegraben, wird auch während des Liegens nicht angefeuchtet. So bleibt Ales wiederum etwa 3 Wochen lang ruhig liegen. Dann wird die Zeit des Pflanzens herangekommen sein und nun nimmt man die Kartoffeln aus Ihrem Sandbette heraus und legt sie in die Körbe, worin sie zur Pflanzstelle transportiert werden. Dies, so wie das Pflanzen, muß mit einiger Vorsicht geschehen. Die Kartoffeln haben im feuchten Sand und warmen Zimmer mehr oder minder lange Wurzeln getrieben, auch sind die Pflanzenkeime mehr hervorgekommen. So läßt sich also leicht denken, wie sehr es des Pflanzers Vorteil ist, wenn vorsichtig gepflanzt, das Abstoßen der zarten Wurzeln und Triebe vermieden, auch die Kartoffel nicht gerade über Kopf in die Pflanzgrube geworfen wird. Je gleichförmiger, je kräftiger die Pflanzen demnächst über der Erde erscheinen, desto sorgsamer ist beim Pflanzen verfahren, und es die Freude lohnend, die Pflanzen über der Erde erscheinen zu sehen, wenn von den aus den Kellern in's Land verpflanzten, selbst den frühesten Sorten, noch nichts zu sehen ist. Das Pflanzen selbst, das Reinhalten, das Anhäufeln der Kartoffeln geschieht ganz in gewöhnlicher Art, wie denn auch das Aufnehmen zum Verbrauch oder zum Einbringen in die Winterquartiere ganz im Belieben des Pflanzers liegt.

Eine rasche Übersicht des hier geübten Verfahrens, des Wachens und der Resultate, gewährt die nachfolgende Tabelle, wobei nur bemerkt wird, daß ein halber Scheffel Kartoffeln, an Gewicht 32 Pfund in's Zimmer gebracht und von da auf dem Acker ausgepflanzt, unmittelbar daneben aber ein ganz gleiches Quantum aus dem Keller entnommener gelegt ward, und daß zur Abkürzung die ersteren mit S, die letzten mit K bezeichnet sind. Die Kartoffeln wurden zur gewöhnlichen Zeit aufgenommen und sorgsam gemessen. Nur im Jahre 1855 ward hiervon abgewichen, fehlt daher die Angabe des Ertrags. Samenbollen setzten die Kartoffeln, eine Sorte, welche man hier unter dem Namen „Brandenburger Kartoffel“ mit Vorliebe baut, nicht in  allen Jahren oder doch erst spät an. Der Ertrag der Kartoffeln war bei der Dürre der drei letzten Jahre überhaupt schwach in hiesiger Gegend. So verschieden aber auch nach der Tabelle der Ertrag der Kartoffeln in den einzelnen Jahren sich herausstellt, so ergiebt sich doch klar genug der Mehrertrag der gewelkten Kartoffeln vor den frisch aus dem Keller in die Erde gebrachten, wozu denn noch kommt, daß erstere auch in der Qualität sich besser zeigten, wie die letzteren.

 

Wer sich nun erinnert, wie sehnsüchtig Alles gegen Ende Juni schon den frischen Kartoffeln entgegen sieht, und welchen Vortheil die Verkäufer der ersten aus diesem Kleinhandel ziehen, der wird es erkennen, von welchem Interesse es für Manchen ist, 14 Tage früher reifere und bessere Kartoffeln zu erzielen, wie dies jetzt bei dem gewöhnlichen Verfahren der Fall ist; und wer es weiß, wie wenig Acker der sogenannte kleine Mann zu seinem Kartoffelbedarf zu verwenden im Stande ist, der wird es zu würdigen wissen, welchen bedeutenden Unterschied es macht, ob von einem Scheffel Pflanzkartoffeln 8 bis 12 Scheffel oder 10 bis 18 Scheffel wieder gebaut werden. Aber auch beim Anbau im Großen ist der Unterschied von Wichtigkeit,  ob von 100 Schffl. Pflanzkartoffeln 800 bis 1200 ober 1000 bis 1800 Schffl. gewonnen werden. Um eine solche Menge von Pflanzkartoffeln in der Wärme welken zu lassen, dazu würde allerdings ein besonderer geheizter Raum gehören; zu der kleinen Quantität von einem halben oder einem Scheffel findet sich überall ein Platz von etwa 16 bis 32 Quadratfuß in einem Zimmer, in welchem es nicht auf Zierlichkeit ankommt. Es ist hier also ein Vortheil zu erlangen, ohne Kosten und mit geringer Mühe, die schon durch das Vergnügen des Wachsens und Gedeihens belohnt wird, ganz abgesehen von dem Vortheil des Ertrages und der besseren Qualität der Früchte.

 

August Ludwig Koch geb. 19.September 1791 in Sülz, gest. 12. September 1866 in Schwerin 

Geheimer Amtsrat und Oberamtmann der Saline zu Sülz i.M. 1827 – 1863

Auch Bürgermeister der Stadt Sülz i.M. 1813 – 1827         

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